Zehnfingersystem
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Das Zehnfingersystem ist ein System, das zum rationellen Schreiben (umgangssprachlich Tippen) auf einer Tastatur oder Schreibmaschine verwendet wird. Das Schreiben nach dem Zehnfingersystem wird auch als „Blind-, Tastschreiben“ oder „10-Finger-Tastschreiben“ bezeichnet. Volkstümlich spricht man beim Tastschreiben mitunter von „tippen“; vor dem Siegeszug der Textverarbeitung am Computer wurde es gewöhnlich „Maschinenschreiben“ bzw. „Maschinschreiben“ (in Österreich) genannt, und meint das professionelle Bedienen einer Schreibmaschinentastatur.
Üblicherweise werden dafür die Positionen der Tasten „auswendig gelernt“ (Blindschreiben). Die Finger befinden sich dabei in der so genannten Grundstellung über der mittleren der drei Buchstabenreihen, die Daumen schweben über der Leertaste. Die zum Erreichen jeder Taste nötige Fingerbewegung, die Griffwege, prägt man sich beim Erlernen ein (Automatisierungsvorgang, motorisches Lernen); insofern ist die Bezeichnung „Tastschreiben“ (ähnlich wie das englische touch typing) etwas irreführend, weil der Schreibende nicht die Tastatur abtastet: Ertastet werden beim Zehnfingerschreiben eventuell nur die Orientierungstasten, das sind am in Europa üblichen Standardlayout die beiden Tasten F und J, die mit einer kleinen Erhebung zur Blindorientierung markiert sind, die breit ausgeführten Tasten (wie Leertaste Leertaste, Umschalttaste ⇧ und Eingabetaste ↵ rechts, Umschaltsperre ⇩ und Tabulatortaste ↹ links, und auch andere), und der daraus entstehende Horizontalversatz der Tastaturzeilen gegeneinander, sowie diverse größere Abstände zwischen Tasten.
Gegenüber einer unsystematischen Schreibtechnik erlaubt das Zehnfingersystem eine Steigerung der Schreibgeschwindigkeit (Anschläge pro Minute), die Senkung der Fehlerquote und eine ergonomisch günstigere Eingabetechnik. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, das Ergebnis auf dem Monitor mitzuverfolgen bzw. beim Abschreiben nicht ständig zwischen Textvorlage und Bildschirm hin- und herschauen zu müssen. Um auch nicht ständig zwischen Maus und Tastatur wechseln zu müssen, erfordert Zehnfingerschreiben am Computer daher auch das Lernen der Tastenkombinationen für die Programmbedienung, was heute den Gutteil des Lernaufwands ausmacht.
Die Begriffe Blindschreiben und Zehnfingertippen sind nicht dasselbe, spezialisierte Blindtippsysteme gibt bzw. gab es auch für Einhandbedienung von Ziffernblocktastaturen (auf der modernen Computertastaur rechts, aber auch bei speziellen Rechengeräten), Taschenrechnern, und für Handytastaturen und andere Portables, bei Stenographen mit ihren zwei mal acht und vier Tasten ruhen acht der zehn Finger immer auf denselben beiden Tasten, sodass es nur für die beiden Daumen Griffwege gibt. Auch für die Bedienung von Grafikprogrammen, wo Tastatur- und Mausbedienung nötig ist, insbesondere aber Grafiktabletts, gibt es auch Einhandtastaturen für Fünffingerblindschreiben.
Weblinks
- Deutscher Stenografenbund e. V.
- Bundesjugend für Computer, Kurzschrift und Medien (vormals Deutsche Stenografenjugend)
- Forschungs- und Ausbildungsstätte für Kurzschrift und Textverarbeitung e. V.
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