Literatur
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Literatur ist im weitesten Sinn der Bereich mündlich (etwa durch Versformen und Rhythmus) oder schriftlich fixierter sprachlicher Zeugnisse. In einem engeren Sinne wird unter Literatur der Bereich von Texten verstanden, die Gegenstand der Kunstdiskussion werden.
Die beiden Begriffsbereiche werden kontrovers voneinander getrennt, da das engere gleichzeitig das umkämpfte Feld der Titel hoher gesellschaftlicher Achtung ist. Das Wort „literarisch“ ist bereits nicht mehr das Adjektiv zu Literatur von „Fachliteratur“ bis „Gebrauchsliteratur“, sondern nur im Blick auf Literatur im engeren Sinn zu verwenden. Literarische Qualitäten können je nach Literatur- und Kunstverständnis Schönheit der Sprache, Bedeutungstiefe, Subjektivität, Originalität oder höhere Komplexität sein – im Streit über die jeweilige Anschauung legt sich fest, welche Werke unter welchen Gesichtspunkten besondere Beachtung in den öffentlichen Diskussionen finden.
Die aktuellen Wortbedeutungen des weiten wie des engen Begriffs richteten sich erst in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ein. Das Wort war zuvor Synonym für Gelehrsamkeit, Wissenschaften, mit seltener Nebenbedeutung für Schriften der griechischen und lateinischen Antike. Die „res publica literaria“, die frühmoderne scientific community, hatte im 17. Jahrhundert Literaturzeitschriften und Literaturgeschichten gegründet, um in ihnen einen wissenschaftsinternen Austausch über wissenschaftliche Arbeiten zu führen.
Die Neudefinition des Wortes geschah im wesentlichen unter Einfluss neuer Literaturzeitschriften und ihnen folgender Literaturgeschichten, die in Deutschland ab Mitte des 18. Jahrhunderts im öffentlichen Interesse einen neuen Themenschwerpunkt einrichteten, bevor Frankreich und England das entstehende neue Thema aufnahmen. Mit dem Themenwechsel wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein neues Besprechungsfeld geschaffen, das alte Besprechungsfelder ablöste: das der Literatur als dem Bereich wissenschaftlicher Schriften, das der Poesie als dem Feld der schönen Texte, und das jüngere der „belles lettres“, das im 17. und 18. Jahrhundert als Bereich moderner Bücher für das elegante Publikum aufgebaut worden war.
Es wurde im selben Prozess selbstverständlich, dass Literatur
- nach Überlieferungen in einzelnen Sprachen zergliedert wird in die „Literaturen“ der einzelnen Nationen, Regionen,
- gruppiert wird unter den zentralen „literarischen Gattungen“, die im Blick auf die Aristotelische Poetik neu definiert wurden,
- zu verstehen ist in einem historischen Prozess, der Kultur- und Literaturgeschichte,
- nach dem Adressaten betrachtet wird in Kategorien wie Kinder- und Jugendliteratur, Frauenliteratur,
- grundsätzlich nach Anspruchsniveaus unterschieden wird in „hohe“ (oder „anspruchsvolle“) Literatur und „Trivialliteratur“.
Besprochen wird in den nationalen Philologien (wie der Germanistik, der Romanistik, der Anglistik), die die Ausgestaltung der nationalen Literaturen im 19. Jahrhundert im wesentlichen vorantrieben, nahezu ausschließlich „hohe“ Literatur. Welche Werke unter welchen Gesichtspunkten besprochen werden, ist seitdem Gegenstand einer Debatte um die Bedeutung, die Werke in der jeweiligen Gesellschaft gewinnen. Der jeweilige „Kanon“ einer Nationalliteratur wird in der öffentlichen (und angreifbaren) Würdigung der „künstlerischen“ Qualität festgelegt, sowie in kontroversen Textinterpretationen der Fiktionen, die Titeln tiefere Bedeutung zusprechen. In der neuen Ausgestaltung übernahm die Literatur im 19. Jahrhundert in den westlichen säkularen Nationen Funktionen, die zuvor die Religionen und ihre Textgrundlagen als Debatten- und Bildungsgegenstände innehatten.
Weblinks
- Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft – Bibliographische Informationsquelle für Germanisten
- Universität Essen – Namen und Sachbegriffe der Literatur
- Das Carpe – Literaturwelt – Literatur-Linksammlung
- Jost Schneider: Literatur, in: Basislexikon Literaturwissenschaft, Bochum.
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