Ingenieurschule
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Die Ingenieurschule, auch Höhere Technische Lehranstalt (HTL), Maschinenbauschule (höhere und niedere), Technische Mittelschule, Ingenieurakademie, Polytechnikum oder Technische Akademie genannt, gehört zu den Vorläufern der heutigen Fachhochschulen.
Die Ingenieurschulen existierten bis Anfang der 1970er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland. In der DDR existierten sie bis zur Wende 1989 und in einer kurzen Übergangsphase nach der Wiedervereinigung.
Das Angebot umfasste Studiengänge in den klassischen Ingenieurwissenschaften, die anfangs mit der staatlichen Bezeichnung ”Ingenieur”, später, ab Anfang der 1970er Jahre, nach Erhöhung auf eine 6-8 semestrige Ausbildung mit ”graduierter Ingenieur” - "Ing. Grad." bzw. "Ing. (grad.)" - abgeschlossen wurden. In der DDR wurde der Titel Ingenieur verliehen. Die Abschlussbezeichnungen wurden in die neuen Fachhochschulen als ”akademische Grade” übernommen, später, aufgrund des Hochschulrahmengesetzes von 1971, das als Studienberechtigung eine Art der Hochschulreife vorschrieb, wurden sie durch das Diplom, Dipl.-Ing. oder Dipl.-Ing. (FH), ersetzt und heute im Rahmen des Bologna-Prozesses europaweit einheitlich nach und nach auf Bachelor- und Master-Abschlüsse umgestellt. Die ehemaligen Ingenieurschulabsolventen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. einer mehrjährigen einschlägigen Berufstätigkeit) auf Antrag (beim für die zugrundeliegende Ausbildung örtlich zuständigen Kultusminister) die staatlichen Bezeichnungen "Dipl.-Ing." oder "Dipl.-Ing. (FH)" führen.
Die Zusammenlegung und "Gleichschaltung" mehrerer Ingenieurschulen Anfang der 1970-er Jahre zu Fachhochschulen war nicht unproblematisch, da sich die einzelnen Ingenieurschulen einen guten Ruf und auch eine eigene Tradition erarbeitet hatten, die mit einem Schlag verloren ging.
Notwendig war dieser Schritt dennoch, da vor dem rechtlichen Schutz des "Titels" "Ingenieur" keine Sicherung einer einheitlichen Qualität der Lehre an den Ingenieurschulen möglich war, aber auch um die deutsche Ingenieurausbildung als akademische Ausbildung im Rahmen der Europäischen Union zu kennzeichnen.
Bekannte Ingenieurschulen waren z.B.:
- Ingenieurschule Eisleben (ehem. Bergschule Eisleben; älteste Ingenieurschule Deutschlands)
- Ingenieurschule für Bauwesen Gotha; 1805 gegründet vom Herzogtum von Sachsen-Gotha-Altenburg
- Balthasar-Neumann-Polytechnikum in Schweinfurt, dessen Geschichte bis auf das Jahr 1850 zurückreicht. Aus dem Balthasar-Neumann-Polytechnikum ging die renommierte Fachhochschule Schweinfurt mit ihrer Verzahnung zur ortsansässigen Industrie (ZF Sachs, FAG, SKF, Bosch-Rexroth, Eon und andere) hervor.
- Ingenieurschule für Kraft- und Arbeitsmaschinenbau "Rudolf Diesel" Meißen 1953-1993
- Ingenieurschule für Walzwerk- und Hüttentechnik Riesa
- Ingenieurschule für Maschinenbau Bautzen
- Ingenieurschule für Bauwesen Erfurt (heute FH Erfurt)
- Ingenieurschule für Bergbau und Energetik (heute Fachhochschule Lausitz)
- Ingenieurschule Mittweida
- Ohm-Polytechnikum Nürnberg - Staatliche Akademie für angewandte Technik (heute Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg)
- Oskar-von-Miller-Polytechnikum (heute FH München)
- Staatliche Ingenieurschule Gießen 1838 bis 1970 (heute Fachhochschule Gießen-Friedberg)
- Staatliche Ingenieurschule Konstanz 1906 bis 1971 (heute Hochschule Konstanz (HTWG), University of Applied Sciences)
- Staatliche Ingenieurschule Furtwangen 1850 bis 1971 (heute Hochschule Furtwangen University (HFU))
- Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen Holzminden (heute HAWK; gegründet Ende 1830 und somit älteste Baufachgewerkschule Deutschlands)
- Technikum Strelitz, ab 1948 Ingenieurschule für Bauwesen Neustrelitz
- Ingenieurschule für Luftfahrttechnik IfL
- Ingenieursschule für Verkehrstechnik in Dresden
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