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Gerechtigkeit

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Der Begriff der Gerechtigkeit (griechisch: dikaiosýne, lateinisch: iustitia, englisch und französisch: justice) bezeichnet einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen den beteiligten Personen oder Gruppen gibt.[1]

Damit einher gehen bestimmte Handlungsnormen und Rechtsnormen für die entsprechende Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. [2] Als abstrakter Begriff hat der Begriff der Gerechtigkeit in Theorie und Praxis je nach sozialem Zusammenhang und darin eingenommener Perspektive unterschiedliche Ausprägungen. Er ist oftmals umstritten. [3]

Gerechtigkeit wird weltweit als Grundnorm menschlichen Zusammenlebens betrachtet; daher berufen sich in allen Staaten Gesetzgebung und Rechtsprechung auf sie. Sie ist in der Ethik, in der Rechts- und Sozialphilosophie sowie in der Moraltheologie ein zentrales Thema bei der Suche nach moralischen und rechtlichen Maßstäben und für die Bewertung sozialer Verhältnisse.

Nach Platons Verständnis ist Gerechtigkeit eine innere Einstellung. Sie ist für ihn die herausragende Tugend (Kardinaltugend), der entsprechend jeder das tut, was seine Aufgabe ist, und die drei Seelenteile des Menschen (das Begehrende, das Muthafte und das Vernünftige) im richtigen Verhältnis zueinander stehen.[4] Aristoteles und Thomas von Aquin betonten hingegen, dass Gerechtigkeit nicht nur eine Tugend, sondern stets in Bezug auf andere zu denken sei (Intersubjektivität).[5] Handlungen wie Wohltätigkeit, Barmherzigkeit, Dankbarkeit oder Karitas gehen über den Bereich der Gerechtigkeit hinaus (Supererogation)[6]

In den neueren Gerechtigkeitstheorien stehen sich Egalitarismus, Libertarismus und Kommunitarismus als Grundpositionen gegenüber.

Globalisierung, weltwirtschaftliche Probleme, Klimawandel und demographische Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass neben Fragen innerstaatlicher sozialer Gerechtigkeit auch die nach Generationengerechtigkeit und nach einer gerechten Weltordnung in den Vordergrund rücken.


Weblinks


  1. Christoph Lumer: Enzyklopädie Philosophie, Meiner Hamburg 2005 (464b); Oswald Schwemmer: Stichwort Gerechtigkeit in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, hrsg. Von Jürgen Mittelstraß, Band 1, Metzler, Stuttgart 1995, 746; Otfried Höffe: Gerechtigkeit. Eine philosophische Einführung, Beck, 2. Aufl. München 2004, 27; Reinhard Penz und Birger P. Priddat in: Stefan Empfter, Robert B. Vehrkamp (Hrsg.): Soziale Gerechtigkeit – eine Bestandsaufnahme, Bertelsmann Stiftung, Güterloh 2007, 51-76, hier 51; Stefan Liebig in: Stefan Liebig, Holger Lengfeld: Interdisziplinäre Gerechtigkeitsforschung, Campus, Frankfurt 2002, 77-102, hier 81; Peter Koller in: Peter Koller (Hrsg.): Gerechtigkeit im politischen Diskurs der Gegenwart, Passagen, Wien 2001, 19-46, hier 24
  2. Stichwort Gerechtigkeit in Metzler Philosophielexikon, 2. Aufl. Stuttgart 1999
  3. Otfried Höffe: Gerechtigkeit. Eine philosophische Einführung, Beck, 2. Aufl. München 2004, 26; Wolfgang Kersting: Kritik der Gleichheit. Über die Grenzen der Gerechtigkeit und Moral, Velbrück, Weilerswist 2002/2005, 23
  4. Platon: Politeia 443d
  5. Aristoteles: Nikomachische Ethik (V, 1129b; Übersetzung Eugen Rolfes, Meiner, 1911) sowie Thomas von Aquin: Summa theologica, nach Josef Pieper: Über die Tugenden, Kösel, München 2004, 75, ähnlich David Miller: Grundsätze sozialer Gerechtigkeit, Campus, Frankfurt 2008, 62, ebenso R. Hauser: Stichwort Gerechtigkeit, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 3, Schwabe, Basel 1974, Sp. 330
  6. Otfried Höffe: Gerechtigkeit, Beck, 2. Aufl. München 2004, 29-30



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Als Internalisierung bezeichnet man in der Sozialwissenschaft die Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Normen und sozialer Rollen im Rahmen der Sozialisation. In der Politikwissenschaft meint man mit Internalisierung die Eingliederung von Werten und Normen in ein System.
Der Begriff Sozialethik (auch Gesellschaftsethik) bezeichnet einen Teilbereich der Ethik, der sich vorwiegend mit den gesellschaftlichen Bedingungen eines guten Lebens befasst. Hieraus ergeben sich Fragen nach der Stellung des Individuums in der Gesellschaft, nach Werten wie Freiheit, Toleranz, Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit und richtigen Strukturen für gesellschaftliche Institutionen wie Recht, Wirtschaft, Unternehmensethik, Arbeit, Ehe, Familie, Migration, Kultur, Medien oder dem Gesundheitssystem, nach gerechtem Lohn oder Armut und der Umsetzung dieser Themen in der Politik.
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